Morbus Crohn Blog

, / 6822 5

Entyvio – Fakten und Erfahrungen

SHARE

Entyvio (Vedolizumab) ist seit Mai 2014 für die Behandlung von mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn bzw. Colitis Ulcerosa zugelassen. Im Gegensatz zu TNF-a-Blockern wie Remicade und Humira, die das komplette Immunsystem beeinflussen, wirkt Entyvio offensichtlich gezielt auf den Darm. Vedolizumab blockiert dabei ein Protein auf der Oberfläche der weißen Blutkörperchen und verringert so die Entzündungsaktivität [1] [2].

Nebenwirkungen

Daher ist auch die Wahrscheinlichkeit für Infektionskrankheiten wesentlich geringer als bei den klassischen TNF-a-Blockern. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind dabei vermehrt auftretende Erkältungen, Kopfschmerzen oder Gelenkschmerzen. [2]

Meine Gastroenterologin war eine der ersten Ärztinnen, die ihre Morbus Crohn Patienten im Rahmen einer mehrjährigen Studie mit Entyvio behandeln konnte. Ihrer Erfahrung nach war die häufigste Nebenwirkung ein etwas häufiger auftretender Schnupfen.

Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen sind meist bereits zuvor aufgetreten und konnten nicht unbedingt direkt der Entyvio Nebenwirkung zugeordnet werden. Allerdings war die Anzahl ihrer Studienteilnehmer recht gering und daher sollte diese Aussage nicht verallgemeinert werden. Außerdem gibt es selbstverständlich noch eine ausführliche Liste an weiteren, etwas seltener auftretenden Nebenwirkungen, die ihr hier nachlesen könnt.

Erfahrungen

Insgesamt hat sie mit Entyvio offensichtlich sehr positive Erfahrungen gemacht und auch einige ihrer schwersten Fälle, die davor auf keine Behandlung angesprochen hatten, befinden sich aktuell in Remission. Eine gute Freundin von mir ist nach einer langen Leidensgeschichte auch endlich so gut wie beschwerdefrei.

Ich hatte dabei allerdings nicht so großes Glück. Nach 12 Monaten Entyvio Therapie konnte ich leider keine wesentliche Verbesserung feststellen. Aus diesem Grund wurde das Medikament schließlich wieder abgesetzt. Im Gegensatz zu allen anderen Therapien habe ich unter den Entyvio Infusionen allerdings auch überhaupt keine Nebenwirkungen bemerkt.

Die Infusionen laufen außerdem sehr unkompliziert ab und dauern im Gegensatz zu den stundenlangen Remicade Infusionen nur etwa 30-60 Minuten und werden alle 4-8 Wochen wiederholt. Laut Herstellerangabe kann die Infusion in 30 Minuten durchgeführt werden, doch meiner Erfahrung nach lassen die meisten Ärzte die Infusionen trotzdem etwas langsamer laufen. Danach sollte ich immer noch eine halbe Stunde zur Beobachtung dableiben.

Problematik

Leider ist Entyvio bisher nur bei mittelschwerem bis schwerem Verlauf von Morbus Crohn bzw. Colitis Ulcerosa zugelassen, sofern die klassische Behandlung nicht vertragen wird oder nicht ausreichend wirkt. Das heißt zuerst sollte eine Behandlung mit TNF-a-Blockern erfolgen und erst wenn diese Medikamente nicht den gewünschten Erfolg erzielen, zahlt die Krankenkasse die Entyvio Therapie.

Wenn man allerdings bedenkt, dass die Nebenwirkungen offensichtlich geringer sind und Entyvio gleichzeitig wesentlich gezielter im Darm wirken kann, sollte diese Regelung wohl definitiv in Frage gestellt werden.

In einer erst kürzlich erschienen Studie konnte zudem gezeigt werden, dass die therapeutische Erfolgrate bei Patienten mit Colitis Ulcerosa signifikant höher ist, wenn sie direkt mit Entyvio behandelt werden. Demzufolge wird von den Ärzten empfohlen Entyvio möglichst vor einer TNF-a-Therapie einzusetzen. [3] Leider ist dies zum aktuellen Zeitpunkt nur unter den genannten Bedingungen möglich.

Was denkt ihr darüber?

[1] www.pharmazeutische-zeitung.de
[2] www.apotheken-umschau.de
[3] www.healio.com

5 Kommentare

  • Karin sagt:

    Hallo,
    bei mir ist es dasselbe, ich nehme Entyvio (seit Juli 2016, wegen Pancolitis Ulcerosa) und habe keine Verbesserung, sondern wird sogar immer schlechter, obwohl meine Werte super sind (mit sehr geringen Entzündungswert). Dafür habe ich immer mehr Nebenwirkungen (Haarausfall und seit zwei Tagen juckt meine Haut wie verrückt).
    Was nimmst du heute?

    Liebe Grüße

    • Hallo Karin,

      danke, dass du deinen Erfahrungen zu Entyvio auf meinem Blog teilst. Es tut mir leid, dass die Therapie bei dir auch nicht die erhoffte Wirkung erzielt. Haarausfall und Hautjucken kenne ich nur zu gut, wenn auch nicht unter Entyvio Therapie, sondern vor allem bei Azathioprin. Seit meinem letzten Versuch mit Entyvio bekomme ich bei akuten Schüben einige Wochen lang eine Stoßtherapie Cortison, benötige aber seit der Stomaanlage zumindest keine Dauertherapie mehr. Gibt es bei dir noch Alternativen zu Entyvio?

      Ich wünsche dir alles Liebe!

      Bauchblubbern

  • Karin sagt:

    Hallo Bauchblubbern,
    ich hatte Haarausfall sonst nur nach einer 1-Jährigen Kortisonbehandlung, oder im Februar (wegen Vitamin-D-Mangel, ging dann aber schnell vorbei).
    Laut Arzt gibt es noch Alternativen, aber welche weiß ich nicht. Hab schon Mesagran (mein Dauer-Medikament), Immurek, Humira, Simponi und eben Entyvio durch. Ich hab echt keine Ahnung was die neuste Forschung ist.

    Alles Gute!
    Liebe Grüße

    • Hallo Karin,

      bei mir wäre noch Stelara im Gespräch, vielleicht wäre das auch noch eine Option für dich? Vielleicht kannst du ja unterstützend auch noch komplementärmedizinisch etwas tun?

      Ich wünsche dir jedenfalls ganz viel Kraft und hoffe, dass bald etwas gefunden wird, dass dir hilft!

      Ganz liebe Grüße

  • Karin sagt:

    Hallo,

    Stelara ist (laut Internet) nur für MC und nicht für CU. Wir versuchens nochmals mit Humira (das hat wenigstens kurz gewirkt). Hätte sonst nur Remicade als Wahl gehabt, was andres gibts (noch) nicht.
    Über Komplementärmedizin hab ich mich noch nicht erkundigt, bin mir nicht so sicher was ich davon halten soll. Aber ich werd mich mal informieren. Danke 🙂

    Liebe Grüße

Ich freue mich über deinen Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.