Morbus Crohn Blog

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Meine Geschichte

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Wie alles begann

Vor über 4 Jahren wurde bei mir Morbus Crohn diagnostiziert. Ich erinnere ich mich noch genau an den Tag, an dem alles angefangen hat… Es war der 21.09.2011, ich hatte mir gerade Essen von meinem Lieblingsjapaner bestellt, als ich in der Toilette auf einmal Blut entdeckte.

Was danach folgte, ähnelt der Leidensgeschichte vieler Menschen mit einer chronischen Darmerkrankung: Immer schlimmer werdende Beschwerden, unzählige Arztbesuche, Medikamente, Medikamenteich, Medikamente…. Am Anfang wollte ich das alles nicht wahrhaben.

Ich hatte noch nie eine ernsthafte Erkrankung, nicht mal die typischen Kinderkrankheiten. Seit 2 Jahren war ich Vegetarierin, war gerne in der Natur und machte viel Sport. Außer gewisser familiärer Belastungen hatte ich keine Probleme, einen großen Freundeskreis und eine glückliche Beziehung.

Ich freute mich über die Sonnenstrahlen, die mich morgens aufweckten, über den Geruch meines Lieblingskaffees, über die blühenden Pflanzen auf meinem Balkon und über alles noch so erdenklich Selbstverständliche.

Ich war spontan, ausgelassen, selbstbewusst und zog mit meiner positiven Ausstrahlung viele Menschen an. Auf einmal war alles anders.

Die Diagnose

Die Krankheit hatte mich verändert. Die Schmerzen waren kaum auszuhalten. Ich schlief bis zu 15 Stunden am Tag, wachte jede halbe Stunde mit Bauchkrämpfen und dem panischen Gang zur Toilette auf. Ohne Schmerztabletten konnte ich kaum noch aufstehen, jeder Schritt fiel mir schwer.

Auf die Dickdarmentzündung folgte eine schwere Gelenkentzündung. Ich ging wochenlang auf Krücken. Dann zuerst eine chronische Magenentzündung, und schließlich noch eine Speiseröhrenentzündung. Allmählich konnte ich kaum noch Energie zu mir nehmen, nach jedem Essen musste ich mich sofort übergeben.

Ich nahm bis auf 44 Kilo ab, verbrachte immer wieder endlose Wochen im Krankenhaus. Ich zog mich immer mehr zurück, litt zunehmend an Depressionen. Auf einen Tiefschlag folgte der Nächste.

Sobald es mir auch nur ein kleines bisschen besser ging, versuchte ich wieder ganz langsam meine Muskulatur aufzubauen. Von der leidenschaftlichen Volleyballerin wurde ich unfreiwillig zur Golfspielerin. Doch nach den ersten Runden auf dem Golfplatz, flammte die Gelenkentzündung wieder auf. Schließlich ging ich wieder wochenlang auf Krücken.

Trotz all der Rückschläge kämpfte ich hartnäckig um mein Studium. Die Vorlesungen am morgen waren quasi unmöglich, jene am späten Vormittag schaffte ich mit Schmerztabletten. Ich war allerdings zu schwach um 90 Minuten sitzen zu können, sodass ich den Vorlesungsraum mehrmals verlassen musste, um mich hinzulegen.

Letztendlich musste ich zweimal vom Studium beurlaubt werden und meine Beziehung ging zu Bruch. Kurz zuvor war meine Mutter verstorben…

Sicherlich waren die Umstände nicht sehr günstig für eine Genesung, doch ich wollte die Hoffnung einfach nicht aufgeben, dass es mir irgendwann wieder besser gehen könnte. Der Tod meiner Mutter schweißte meinen Vater und mich sehr eng zusammen und meine besten Freunde waren intensiv für mich da.

Ich hatte mittlerweile erfolglos Cortison, Azathioprin, Remicade, Humira, sowie einige Alternativ- und Komplementärverfahren wie Akupunktur und TCM probiert. Seit kurzer Zeit litt ich zusätzlich unter sehr starken Rückenschmerzen. Vom Studium war ich gerade das zweite mal beurlaubt worden und von der Studiengangsleitung wurde mir nahegelegt komplett abzubrechen. Ich wollte weiterstudieren.

Das Ende?

Nachdem ich mich lange zurück gezogen hatte, entschloss ich mich nach langer Überlegung dazu, nach Jahren wieder einen Abend alleine tanzen zu gehen. Ich benötigte einige Schmerztabletten und trank keinen Schluck Alkohol. Ich hatte einen tollen Abend.

Als die Schmerztabletten auf dem Weg nach Hause nachließen, wurden die Schmerzen schlagartig fast unerträglich. Gleich am nächsten Morgen landete ich in der Notaufnahme.

Hinter den Rückenschmerzen verbarg sich ein 300 ml großer Abszess, der in einer Notoperation geöffnet wurde. Als mir kurze Zeit später im Krankenhaus mitgeteilt wurde, dass ich einen künstlichen Darmausgang bekommen sollte, brach meine Welt komplett zusammen.

Ich verfiel in eine Schockstarre, hyperventilierte und war nicht mehr ansprechbar. In diesem Moment hatte mich die Krankheit scheinbar gebrochen. Ich wollte sterben.

Inspiration

Der Gedanken meinen Vater nicht alleine lassen zu können, verstärkte die Hilflosigkeit und den Kontrollverlust. Ich musste weiterleben. Eine einfühlsame Krankenschwester, eine psychologische Notintervention und meine Vertrauensärztin konnten mich langsam wieder beruhigen.

Mein Vater lies alles stehen und liegen, nahm sich von einer Minute auf die nächste 2 Wochen Urlaub und fuhr sofort 500 km weit zu mir ins Krankenhaus. Ich wurde mit einer Packung Beruhigungsmittel nach Hause entlassen. Ich hatte 10 Tage bis zum Operationstermin…

Im Krankenhaus hatte ich einige sehr liebe Menschen kennengelernt. Eine sehr besondere Frau hat dabei auffällig meinen weiteren Lebensweg geprägt. Zu Hause erinnerte ich mich an Ihre Meditationstechniken und versuchte wieder zu meinem früheren Optimismus zurückzufinden.

Das einzig Positive an meiner Situation war für mich der Gedanke, dass dies der Wendepunkt in meiner Krankheitsgeschichte sein könnte. Vielleicht gab mir das Stoma die alte Freiheit wieder, die ich vor Jahren verloren hatte.

Ich klammerte mich fest an den Gedanken, dass es mir danach besser gehen würde. Ich setzte meine Beruhigungsmittel ab und unternahm alles, wonach ich mich den langen Wochen im Krankenhaus gesehnt hatte. Ich ging jeden Tag im See baden, mit meinem Vater und meinem Hund viel in der Natur spazieren und jeden Tag gut essen.

Ich versuchte mich sogar ein Stück weit auf den Operationstermin zu freuen, da von da an nur alles besser werden konnte. Die Medikamente hatten versagt. Vielleicht war also die Chirurgie mein Lebensretter. Ich wollte leben.

Die OP

Die nette Anästhesistin versprach mir, dass ich während der Operation meinen Heilstein in der Hand halten dürfe. Die liebe Frau aus dem Krankenhaus, mit der ich immer noch regelmäßig Kontakt habe, hatte ihn mir als Glücksbringer geschenkt.

Nach der Operation wachte ich ohne Schmerzen mit meinem Stein in der Hand in einem großen Raum mit vielen Betten auf. Ich war überglücklich keine Schmerzen zu haben. Die einfühlsame Krankenschwester hängte mir sofort noch eine weitere Flasche Morphium an. Was ich nicht wusste, war, dass ich bereits während der Operation Morphium und somit insgesamt 5 Fläschchen intravenös erhalten hatte.

Schließlich musste ich mich stundenlang von den starken Schmerzmitteln übergeben. Trotzdem schaffte ich es einige Stunden nach der Operation bereits auf meinen eigenen Füßen, aber mit viel Unterstützung, auf die Toilette zu gehen. Einen Katheter hatte ich aus Prinzip verweigert.

Der Wendepunkt

Am nächsten Tag ging ich durch die Hölle. Ich erhielt kein Morphium mehr und hatte starke Schmerzen. Ich hatte ein Tagebuch geschenkt bekommen, in das ich meine Gefühle aufschreiben sollte. Also schreib ich eine Seite lang nur “Scheiße scheiße scheiße scheiße scheiße.”

Trotz allem wollte ich möglichst schnell auf die Beine kommen. Ich wusste, dass ich aus der Krankenhaus entlassen wurde, sobald ich selbstständig mit dem Stoma zurecht kam. Am ersten Tag nach der Operation ging ich somit trotz starker Schmerzen bereits alleine ins Bad.

Am nächsten Tag wurde ich mit Sonnenstrahlen geweckt. Ich weiß nicht was der ausschlaggebende Grund war, aber dieser Tag war der Wendepunkt. Ich schaffte es unter Schmerzen mich mehrere Runden über den Krankenhausgang zu schleppen.

Außerdem schrieb ich diesmal mit bunten Farben positive Gedanken in mein Tagebuch. Ich listete ganz detailliert alles auf, was ich von nun an wieder machen könne. Dazu meditierte ich jeden Tag 10 Minuten und stellte mir vor, wie Energieströme durch meinen Körper fließen.

Ich trainierte ab sofort jeden Tag, in dem ich immer mehr Runden über den Gang spazierte. Die Krankenschwestern waren zu Beginn etwas beunruhigt, weil sie erwartet hatten, dass ich die ersten Tage im Bett verbringen würde. Sie hatten immer ein Auge auf mich, für den Fall, dass ich plötzlich zusammenbrechen würde.

In meiner Krankenakte las ich die Notiz “Patientin geht überraschenderweise bereits am zweiten Tag eigenständig über den Gang.” Ich drängte auf einen Beratungstermin in der Stoma-Ambulanz und lernte sehr schnell meine Versorgung ohne Hilfe zu wechseln. Bereits am 5. Tag nach meiner Operation wurde ich nach Hause entlassen.

Mein neues altes Ich

Von nun an begann ein neues Leben. Innerhalb kürzester Zeit wurde ich wieder zu dem Menschen, der nur noch in meiner Erinnerung existiert hatte. Jeder Rückschlag hatte mich nur noch stärker gemacht. Ich genoss mein Leben in vollen Zügen, ging viel aus und lernte in kürzester Zeit unglaublich viele Menschen kennen.

Nach nur 2 Monaten lernte ich meinen Freund kennen, mit dem ich nun seit 2,5 Jahren sehr sehr glücklich bin. Jeder kleine Rückschlag erinnert mich daran, wie schlecht es mir einmal ging und ich weiß mein Leben daher viel mehr zu schätzen.

Ich freue mich wieder jeden Morgen über die Sonnenstrahlen und die Blumenwiese neben meiner Wohnung. Ich kann wieder offen auf Menschen zugehen und in versuche in jedem negativen Erlebnis etwas Positives sehen. Ich kann wieder leben.

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