Morbus Crohn Blog

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5 Jahres Rückblick – Geburtstage voller Tränen

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Vor 5 Jahren hatte ich das letzte mal Geburtstag gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich ein halbes Jahr später die Diagnose “Morbus Crohn” erhalten sollte. Es war einer meiner schönsten Geburtstage… Nahezu alle meine Freunde waren da, wir spielten Gitarre, lachten und hatten einen unglaublich ausgelassenen Abend. Als Höhepunkt überreichten sie mir ein selbst gestaltetes Kunstwerk mit dem Titel  “Auf dass dein Lächeln unsere Tage noch viele weitere Jahre erhellen mag”. Kurz darauf wurde ich schwer krank. Ich zog mich immer mehr zurück und mein charakteristisches Lächeln wurde immer seltener, bis es letztendlich von Tränen überschattet wurde.

Ich erinnere mich an jeden einzelnen Geburtstag seit meiner Volljährigkeit, aber die Jahre seit der Diagnose verschwinden in einem dumpfen Nebel der Erinnerung. Alles woran ich mich erinnere, ist die Gewissheit, dass ich wohl nie wieder so glücklich sein werde, wie an diesem 23. Geburtstag. Es vergangen viele weitere Jahre, in denen ich mich immer mehr zurückzog und keinen Grund mehr sah meinen Geburtstag zu feiern. Die Anzahl meiner Freunde hatte sich auf einen kleinen, bedeutenden Kreis reduziert, der sich weit verstreute. Ich fühlte mich körperlich entstellt von der Krankheit und den vielen Medikamenten, mein Gesicht war aufgedunsen und gleichzeitig war ich so abgemagert und fast zu schwach um mich zu bewegen. So bevorzugte ich es meinen Geburtstag zu vergessen…

5 Jahre sind seitdem vergangen. Die Welt hat sich weiterbewegt. Die Jahre, die ich im Bett verbracht hatte, waren mir wie Wochen vorkommen… mein Zeitgefühl befolgte seine eigenen Regeln. Zu den meisten Freunden von früher habe ich keinen Kontakt mehr. Doch dies hat mir gezeigt, wer die wichtigen Menschen in meinem Leben sind… jene, die zu mir gehalten haben, als ich am Boden war. Und zu diesen wichtigen Menschen sind noch weitere besondere Menschen dazugekommen.

Manchmal erwische ich mich dabei, diesen “verlorenen” Jahren ein Stück weit nachzutrauern. Doch letztendlich war dies alles ein wichtiger Prozess, der mich und mein Leben entscheidend geprägt hatte. Wenn nicht alles so gekommen wäre, wie es letztendlich geschah, wäre ich dann der gleiche Mensch, der ich heute bin? Jede Enttäuschung, jeder Tiefschlag, jeder Moment am Abgrund hatte mich nur stärker gemacht.

5 Jahre später blicke ich auf diese Zeit zurück und bin froh über jede Erfahrung, die ich machen durfte. Zum ersten mal seit der Diagnose freue ich mich, an meinem Geburtstag wieder viele liebe Menschen um mich zu haben. Die Zeit der Trauer und Verzweiflung sind vorüber. Ich freue mich auf einen ebenso großartigen Tag wie damals. Ich feiere das Leben.

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