Morbus Crohn Blog

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Stelara – ein weiterer Lichtblick in der Morbus Crohn Therapie?

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Was ist Stelara?

Stelara (Ustekinumab) ist ein Antikörper, der am 11. November 2016 in Europa und den USA zur Behandlung von moderatem bis schwerem Morbus Crohn zugelassen wurde. Das neue Medikament konnte bei einem Teil der Patienten, die bisher auf keine Therapie ausreichend ansprachen, eine Remission erzielen.

“Today’s decision is an important step forward for people living with Crohn’s disease“ Frederic Lavie, Janssen Biotech Inc. [5]

Stelara wird zu den Biologica gezählt. Das Medikament ist also wie Humira (Adalimumab) , Remicade (Infliximab) und Entyvio (Vedolizumab) ein biotechnisch hergestellter Antikörper.

Interessanterweise wurde das Medikament ursprünglich zur Behandlung von Schuppenflechte zugelassen und wird hier bereits seit 2009 eingesetzt. Laut Ärzteblatt kann man bei Stelara daher von einer sicheren „Langzeitanwendung“ sprechen [4].

Diesen Begriff sehe ich hier jedoch etwas kritisch, weil man meiner Meinung nach bei 7 Jahren Therapie noch nicht von einer Langzeitanwendung sprechen kann. Trotzdem ist es natürlich erfreulich, dass das Medikament bereits in einem anderen Bereich erfolgreich eingesetzt werden konnte und gibt uns daher doch eine gewisse Sicherheit.

Die Wirkungsweise im Körper verstehen

Während sich Humira und Remicade gegen TNF-α und Entyvio gegen α4β7-Integrin richtet, verfolgt Stelara einen anderen Ansatz. Das neu zugelassene Medikament blockiert die Interleukine 12 und 23, die bei der Entzündungsreaktion bei Morbus Crohn eine wichtige Rolle spielen.

Interleukine sind eigentlich wichtige Zellen im Körper, die gezielt Krankheitserreger und Tumorzellen bekämpfen. Bei einer Autoimmunerkrankung wie Morbus Crohn ist diese Abwehrreaktion jedoch fehlgeleitet und richtet sich gegen körpereigene Zellen. Aus diesem Grund wird die Entzündung des Darms aufrechterhalten. Stelara soll genau diesen Mechanismus blockieren.

Erfolg versprechende Studienergebnisse

SchultafelDie vor kurzem erteilte EU-Zulassung geht auf die Ergebnisse aus drei Phase-3-Studien zurück, an denen ca. 1.400 Patienten mit moderatem bis schwerem Morbus Crohn teilnahmen. Die Patienten wurde zuvor erfolglos mit anderen Biologica, Azathioprin, Methotrexat, Cortison etc. behandelt. Entweder war die Wirkung dieser Medikamente nicht ausreichend oder es traten starke Nebenwirkungen auf.

Die Patienten der ersten beiden Studien wurden schließlich entweder mit Stelara oder einem Placebo behandelt. Nach 6 Wochen waren in der ersten Studie 34 % der Stelara Gruppe und 21,5 % der Placebo Grupe in Remission. Dieser Unterschied war noch nicht so groß, dass man von einem „wow- Effekt“ sprechen konnte.

In der zweiten Studie waren es dann jedoch bereits 55 % verglichen mit 29%. Über die Hälfte der Patienten, die mit Stelara behandelt wurde und zuvor auf kein Medikament ausreichend angesprochen hatte, war somit in Remission.

In der dritten Studie wurden alle 397 Patienten aus den ersten beiden Studien, die nun in Remission waren, weiter untersucht. Die eine Hälfte von ihnen erhielt ein Placebo, die andere Hälfte wurde mit Stelara behandelt. 10 Monate später waren immer noch 34% der Placebo Patienten und sogar 53% der Stelara Patienten in Remission.

Die Anwendung

Wie bei jedem Immunsupressivum wird zuerst ein Tuberkulose Test durchgeführt, um eine mögliche Infektionskrankheit auszuschließen.

Die erste Stelara Therapieeinheit wird dann wie gewohnt als Infusion verabreicht. Die Infusionsdauer beträgt dabei mindestens eine Stunde, die Dosierung ist abhängig vom Körpergewicht.

Anders als bei Remicade (Infliximab) und Entyvio (Vedolizumab) erfolgt die nächste Therapieeinheit dann allerdings 8 Wochen später als Injektion unter die Haut.

Je nach individuellem Ansprechen werden die weiteren Injektionen dann alle 8-12 Wochen verabreicht. Wie bei Humira (Adalimumab) können die Spritzen dann offensichtlich in weiterer Folge auch selbst injiziert werden. [1]

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

stetoskopNach einem Bericht der europäischen Union (European Medicines Agency) sind die häufigsten Nebenwirkungen unter Stelara Therapie Kopfschmerzen und Entzündungen der Nasen- und Rachenschleimhäute (Nasopharyngitis). Diese Nebenwirkungen sind bei mehr als 5% der Patienten aufgetreten und werden als sehr gering eingestuft. [1] Mein erster Eindruck ist daher, dass die Nebenwirkungen sehr ähnlich zu Entyvio (Vedolizumab) sind.

Laut Sicherheitsangaben des belgischen Herstellers Janssen Biotech Inc. kann Stelara außerdem das Immunsystem schwächen und damit das Infektions- und Krebssrisiko erhöhen. [3] Auch das ist zwar nicht erfreulich, aber auch nicht überraschend, da die meisten (konventionellen) Medikamente gegen Morbus Crohn das Immunsystem schwächen.

Allerdings sollte erwähnt werden, dass bei der Anwendung von Stelara zur Therapie von Schuppenflechte schwere weitere Hauterkrankungen aufgetreten sind. Laut Herstellerangaben ist die Häufigkeit selten. [7]

Fazit

Das neue Medikament Stelara scheint erfolgversprechend zu sein. Für Morbus Crohn Patienten, die bisher auf keine Therapie ausreichend angesprochen haben, könnte sich hier ein Lichtblick finden. Die Studienergebnisse zeigen, dass etwa die Hälfte der therapieresistenten Patienten mit Stelara eine Remission erreichten.

Die häufigsten Nebenwirkungen scheinen sich dabei mit Kopfschmerzen und Nasopharyngitis in Grenzen zu halten, wobei natürlich die immunsupressive Wirkung nicht vergessen werden darf.

Gerade im Anfangsstadium der Erkrankung bzw. bei weniger schwerem Verlauf sollte man daher auch naturheilkundlichen Alternativen bzw. Ergänzungen in Erwägung ziehen. Ich darf und möchte allerdings keine Therapieempfehlungen geben, da jeder Fall individuell ist und hier eine medizinische Beratung notwendig ist.

Wichtig ist daher immer ein gutes Vertrauensverhältnis zu unseren Ärzten, damit ihr solche Möglichkeiten ganz offen ansprechen könnt. Außerdem möchte ich noch erwähnen, dass es zwar am Anfang unvorstellbar sein kann, aber das (fast) medikamentenfreie Leben mit Stoma eine weitere Alternative ist, die man als Option immer im Hinterkopf behalten sollte.

 

[1] European Medicines Agency (2016): Stelara Ustekinumab

[2] Feagan et al. (2016): Ustekinumab as Induction and Maintenance Therapy for Crohn’s Disease

[3] Presseportal (2015): Janssen beantragt Zulassung von STELARA® in den USA und der Europäischen Union zur Behandlung von Morbus Crohn

[4] Ärzteblatt (2016): Ustekinumab: Psoriasis-Medikament lindert Morbus Crohn

[5] Johnson & Johnson (2016): European Commission Approves Stelara® (Ustekinumab) For Treatment Of Adults With Moderately To Severely Active Crohn’s Disease.

[6] Committee for Medicinal Products for Human Use  (2016): Assessment report Stelara (pdf)

[7] Psoriasis-Netz (2014): Warnung vor Nebenwirkungen bei Stelara (Ustekinumab)

 

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