Morbus Crohn Blog

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Was brauche ich wirklich? Blogparade

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Exstudentin hat zur Blogparade aufgerufen:

Welche Erlebnisse haben mich dazu gebracht, meinen Lebensstil zu überdenken?

Obwohl, oder vielleicht gerade weil ich keine Finanz-Bloggerin bin, würde ich gerne meine Meinung zu dem Thema mitteilen. Seit 4 Jahren leide ich an einer schweren chronischen Darmerkrankung, Morbus Crohn.

Seitdem war mein Leben bzw ist es auch noch heute in gewissem Maße geprägt von unzähligen Arztbesuchen, Schmerzmitteln und hochdosierten Medikamenten, die wiederum starke Nebenwirkungen auslösten. Zuvor hatte ich noch nie eine ernsthafte Erkrankung, ernährte mich gesund und machte viel Sport.

Ein nachdenklicher Blick zurück…

Ich freute mich über die Sonnenstrahlen, die mich morgens aufweckten, über den Geruch meines Lieblingskaffees, über die blühenden Pflanzen auf meinem Balkon und über alles noch so erdenklich Selbstverständliche. Ich war spontan, ausgelassen, selbstbewusst und zog mit meiner positiven Ausstrahlung viele Menschen an.

Doch leider brachte jede Therapie nur Komplikationen mit sich, bald schmerzte mein ganzer Körper von schweren inneren Entzündungen. Durch die nicht enden wollenden Schmerzen fiel ich in ein tiefes schwarzes Loch. Ohne Schmerztabletten konnte ich kaum aufstehen, jeder Schritt fiel mir schwer, ich schlief bis zu 15 Stunden am Tag.

Diese Phase in meinem Leben hat mich stark geprägt. Mittlerweile würde ich mich wieder als gesundheitlich stabil bezeichnen, aber mein Leben hat sich durch die Erkrankung stark verändert. Aber alles andere als nur negativ. Die Krankheit hat mich stärker gemacht.

Stressmanagement und Lebensgefühl

Mein Leben lang war ich nur im Stress, hetzte von einem Termin zum nächsten. Jede Minute musste sinnvoll genutzt werden, zu einem Termin zu spät zu kommen war eine Katastrophe, die durch die ganzen Verpflichtungen leider zu oft passierte.

Ich war war immer sehr ehrgeizig und das bin ich noch heute. Allerdings weiß ich heute meine körperlichen Grenzen zu respektieren. Durch die negative Phase in meinem Leben weiß ich wie kostbar die eigene Zeit ist.

Das heißt zum einen, dass ich mehr in mich hineinhöre, was mir im Moment wichtig ist und mir das Recht nehme, Termine auch mal abzusagen. Zum anderen plane ich mittlerweile auch wesentlich mehr Zeit ein, denn das wichtigste ist, dass ich dass ich mich wohl fühle und Stress vermeide.

Viele Dinge, die mich früher von einem Moment auf den Nächsten aus der Ruhe bringen konnten, nehme ich mittlerweile ganz gelassen hin. Das heißt nicht, dass mich nichts mehr aus dem Gleichgewicht bringt, davon bin ich noch ein Stück entfernt. Aber nachdem ich jahrelang so körperlich am Abgrund stand, habe ich gemerkt wie banal manche Probleme doch sein können. 

Was brauche ich aktuell, um glücklich zu sein?

Um glücklich zu sein, brauche ich daher nicht mehr viel und das mag vielleicht seltsam klingen. Aber Glück ist für mich ein ganz normaler Morgen, an dem ich erholt und ohne Schmerzen aufwache und mit voller Energie und Freude meinen Interessen nachgehen kann.

Jeder kleine Rückschlag erinnert mich daran, wie schlecht es mir einmal ging und ich weiß mein Leben daher viel mehr zu schätzen. Ich freue mich wieder jeden Morgen über die Sonnenstrahlen, den Geruch meines Lieblingskaffees und die Blumenwiese neben meiner Wohnung.

Was brauche ich dauerhaft, um bis an mein Lebensende zufrieden zu sein?

Das wichtigste ist für mich ein stabiler Gesundheitszustand, sodass ich in meinem Leben so wenig wie möglich einschränkt bin. Materielles ist für mich eher nebensächlich. Ich liebe zwar schöne Dinge und habe einen feinen Sinn für Ästhetik, aber es ist mir nicht wichtig viel zu besitzen.

Ich bevorzuge es daher Schönes zu betrachten, indem ich Zeit in der Natur, in Kunstmuseen oder im Theater verbringe. Außerdem halte ich regelmäßigen Kontakt zu meinen Freunden und versuche so viel wie möglich zu Reisen.

Auf welche Dinge im Leben könnte ich theoretisch verzichten und habe sie derzeit dennoch?

Ich besitze meiner Meinung nach zu viel von allem. Nach jedem Auszug sortiere ich einen Teil aus. Ich lebe gerne strukturiert, ein übersichtliches Chaos an Gegenständen empfinde ich als Ballast. Ich besitze beispielsweise definitiv zu viele Kleidungsstücke.

Als ich einige Monate in einer anderen Stadt war, hatte ich nur so viel Kleidung dabei, wie ich in einem Koffer transportieren konnte. Am Anfang war das etwas seltsam, aber irgendwie hatte es etwas sehr befreiendes an sich. Aus diesem Grund habe ich beschlossen radikal auszusortieren und den Rest zu verschenken.

Ist es mir wichtig, “mehr” vom Leben zu haben als nur das Nötigste

Definitiv ja. Allerdings meine ich dabei nicht ein “mehr” an Konsumgütern, sondern eine Abkehr von Mittelmäßigkeit. Ich möchte mein Leben nicht in einem Hamsterrad verbringen, jeden Morgen der gleichen Arbeit nachgehen und abends erschöpft vor dem Fernseher einschlafen.

Ich möchte jeden Tag in vollen Zügen genießen, beruflich einer erfüllenden, kreativen Tätigkeit nachgehen, andere Länder und Kulturen kennenlernen und mich mit Überzeugung für einen guten Zweck einsetzen.

 

9 Kommentare

  • Ex-Studentin sagt:

    Dein Beitrag ist wirklich mal was ganz anders.. Vielen Dank, dass du deine Erlebnisse teilst. Da spricht viel Erfahrung, die ich dir mit deinen jungen Jahren eigentlich nicht wünsche. Bin auch 23 und kann nur erahnen, wie schlimm es ist, so viele Jahre sich mit solchen Problemen rumschlagen zu müssen. Respekt, wie du dich da wieder raus gekämpft hast. Ich hoffe, dass es das Schicksal es nun besser mit dir meint und du die nächsten Jahre mehr genießen darfst. Weißt du schon, wie es bei dir nun mit dem Studium weiter geht? Bzw. was sind die nächsten Ziele, die du verfolgst? Generell wünsche ich dir weiterhin viel Erfolg mit deiner Gesundheit und deinem Blog. Liebe Grüße Jenny

    • Bauchblubbern sagt:

      Hallo Jenny, vielen Dank für deinen lieben und mitfühlenden Kommentar! Meine Freunde hatten zum Glück recht.. irgendwann muss es einfach wieder bergauf gehen und mittlerweile befinde ich mich wieder auf der Sonnenseite des Lebens 🙂 Mein Studium konnte ich letztes Jahr endlich weiterführen, mittlerweile stehe ich kurz vor dem Abschluss. Danach lasse ich erst mal alles auf mich zukommen. Möglicherweise ein weiterführendes Studium oder der vorsichtige Einstieg ins Berufsleben 😉 Ich wünsche dir nur das Beste!

  • Finanzrocker sagt:

    Herzlichen Dank für Deinen sehr bewegenden Artikel. Er zeigt was wirklich wichtig ist!

    Viele Grüße
    Daniel

  • Bauchblubbern sagt:

    Hallo Daniel, vielen vielen Dank, das freut mich wirklich 🙂 Ich wünsche dir alles Gute und viel Spaß bei deinem nächsten Urlaubstrip! 🙂 Alles Liebe

  • […] Alex ist keine Finanzbloggerin und hat sich glücklicherweise zu meiner Blogparade verirrt. Seit 4 Jahren leidet die 23-Jährige an der chronischen Darmkrankheit Morbus Crohn. Durch all die Schmerzen und Arztbesuche hat sie gelernt, mehr auf ihren Körper zu hören und mit weniger Stress durchs Leben zu gehen. Sie freut sich über die Sonnenstrahlen am Morgen und will beruflich mal einen kreativen Job ergattern, Gutes tun und die Welt bereisen. […]

  • Sebastian sagt:

    Hallo und vielen lieben Dank für deine deine liebevoll geschriebenen Zeilen und Informationen .

    Alles erdenklich Gute & herzliche Grüße. Sebo.

    • Hallo Sebo, vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Ich freue mich wirklich sehr über deine positive Rückmeldung, das gibt mir gerade in der anstrengenden Prüfungszeit die richtige Kraft & Inspiration um endlich einen neuen Beitrag zu schreiben! Dir auch nur das Beste & ganz liebe Grüße

  • Hallo liebe Bauchblubberin. Sehr sehr schöner Artikel. Ich habe mich sehr wiedererkannt. Ich bin 23, nach schwerer CU komplett Dickdarmlos. Ich stelle mir oft genau die selben Fragen: was will ich vom Leben, was nicht, was ist mir wirklich wichtig. Und komme zu sehr ähnlichen Ergebnissen wie du. Mir hilft dabei das Schreiben auch sehr. In meinem Blog: https://diedesi.wordpress.com/ und auf meiner Facebookseite https://www.facebook.com/darmlossuper/ versuche ich, anderen Mut zu machen, Tipps zu teilen & Positivität zu verbreiten. Das Thema CED ist oft einfach zu negativ behaftet wie ich finde. Würde mich sehr freuen, wenn du mal bei mir vorbeischaust 🙂 LG und mach weiter so. Desi

    • Vielen Dank liebe Desiree! Es freut mich, dass du mit deinem wunderschönen, liebevoll gestalteten Blog eine Möglichkeit gefunden hast dir und anderen zu helfen! Auf den ersten Blick habe ich auch gleich ein Buch wiederentdeckt, das ich schon lange lesen wollte: Das Cafe am Ende der Welt. Ich wünsche dir weiterhin so viel Kraft und positive Energie, ganz liebe Grüße Bauchblubbern

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