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Welche Psychotherapie Form ist die Richtige für mich?

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Eine Psychotherapie kann sich bei chronischen Darmerkrankungen sehr positiv auswirken. Zum einen ist es durchaus befreiend, sich belastende Gedanken und Erlebnisse von der Seele zu reden undsigmund-freud-400399_640 zum anderen werden in der Therapie Techniken zum besseren Umgang mit der Erkrankung erlernt. Dies hat einen insgesamt positiven Einfluss auf das psychische Wohlbefinden.

In Deutschland gibt es 5 anerkannte Formen von Psychotherapie: Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Tiefenpsychologie, Gesprächstherapie und systemische Therapie. Jeder Therapeut hat sich in seiner mehrjährigen Ausbildung, die er nach dem Psychologie Studium absolvieren musste, auf eine Therapieform spezialisiert. Obwohl alle 5 zwar wissenschaftlich anerkannt sind, werden die Kosten allerdings bisher nur bei Verhaltenstherapie, Psychoanalyse und Tiefenpsychologie von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Meist wenden Psychotherapeuten nicht ausschließlich einen einzigen Therapiestil an, sondern übernehmen auch Elemente aus anderen Therapieformen. Am wichtigsten ist in jedem Fall das Vertrauensgefühl zu eurem Therapeuten. Die gesetzlichen Kassen übernehmen dabei die Kosten für bis zu 5 Probesitzungen bei verschiedenen Therapeuten.

 

Psychoanalyse

Die Psychoanalyse geht auf Sigmund Freud zurück. Freud war der Meinung, dass die Kindheit einen überaus starken Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung hat. Jeder Mensch wird in seiner Kindheit demzufolge unterschiedlich durch Eltern, Freunde, Schule usw. geprägt. Diese Jahre entscheiden schließlich darüber, wie gut man im Erwachsenenalter mit Problemen umgeht. Chronische Darmerkrankungen oder psychische Störungen entstehen laut Psychoanalyse daher, wenn gewisse Entwicklungsschritte gestört wurden, oder innere Konflikte oder sogar traumatische Erlebnisse vorliegen. Diese Konflikte oder Erlebnisse werden meist verdrängt und sind uns daher nicht bewusst. Der psychoanalytische Therapeut sieht seine Aufgabe darin, das Verdrängte ins Bewusstsein zu holen. Meistens wird dabei die Methode der freien Assoziation angewendet, wobei man auf einer Couch liegt und alles erzählt was einem gerade einfällt. Die Therapiesitzungen sind sehr offen gestaltet.

 

Tiefenpsychologie

Die Tiefenpsychologie sieht unbewusste vergangene oder aktuelle Konflikte als Auslöser für eine chronische Darmerkrankungen. Trennungs- und Verlusterlebnisse ( v.a. in der Kindheit ) werden dabei als wichtige Faktoren angesehen. Diese können allerdings auch nur phantasiert sein, d.h. die Angst einen wichtigen Menschen zu verlieren war in eurer Lebensgeschichte vielleicht sehr prägend. Die Erkrankung des Darms stellt dabei eine Möglichkeit des Körpers dar, mit den realen oder imaginierten Verlusten umzugehen. Offensichtlich finden sich unter Patienten mit chronischen Darmerkrankungen häufig Menschen, die zur Affektabwehr neigen, also ihre Gefühle schlecht verarbeiten können und sie daher verdrängen.

 

Verhaltenspsychologie

Die Verhaltenspsychologie beschäftigt sich mit eurem aktuellen Befinden, wie ihr die Krankheit erlebt und welche Verhaltensmuster ihr anwendet ( zum Beispiel Vermeidungshaltung und sozialer Rückzug ). Die Vergangenheit wird in der Verhaltenspsychologie eher am Rande beleuchtet. Stattdessen geht es darum, mit eurem Therapeuten gemeinsam an aktuellen Problemen zu arbeiten und Verhaltensstrategien zu erarbeiten. Ein häufig eingesetztes Verfahren ist beispielsweise die schrittweise Konfrontation mit Situationen, die Ängste auslösen. Vor allem in der Verhaltenstherapie sind offensichtlich positive Effekte auf den Umgang mit der Krankheit, das Schmerz- und  Allgemeinbefinden belegt.

 

Gesprächstherapie

In der Gesprächstherapie, auch klientenzentrierte Psychotherapie genannt, ist die Beziehung zwischen Patient und Therapeut von entscheidender Bedeutung. In der Therapie äußert nicht nur der Patient, sondern auch der Therapeut seine eigenen Gefühle offen. Die Werte einer Gesprächstherapie sind vor allem Empathie, Wertschätzung und Offenheit ( Authentizität ). Der Gesprächstherapeut beschäftigt sich eurem aktuellen Befinden, und nur wenn es dringend erforderlich ist, mit eurer Vergangenheit. Leider wird die Gesprächstherapie noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, obwohl sie wissenschaftlich anerkannt ist. Einige private Krankenkassen übernehmen allerdings bereits die Kosten.

 

Systemische Therapie

Die systemische Therapie sieht die Ursache von chronischen Darmerkrankungen und psychischen Problemen in gestörten Beziehungsstrukturen. Dabei ist nicht nur die partnerschaftliche Beziehung gemeint, sondern das gesamte soziale Umfeld ( z. B. belastende Eltern-Kind-Beziehung, Konflikte am Arbeitsplatz ). Aus diesem Grund wird auch eure Familie oder andere wichtige Bezugspersonen in die Therapie einbezogen. Oft liegt die Ursache in einer gestörten Kommunikation, wobei der Therapeut helfen kann, diese Verhaltensweisen zu optimieren. Außerdem können versteckte Stärken und Ressourcen aufgedeckt werden, die dann gezielt einsetzt werden können um Probleme zu lösen. Die Therapie kombiniert Einzel-, Paar-, Familien- und Gruppensitzungen. Die systemische Therapie ist seit einigen Jahren wissenschaftlich anerkannt, wird aber ebenfalls noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen ( jedoch von einigen privaten Kassen ) übernommen.

 

 

[1] Soutschek, Stefan (2016). Psychotherapie – Die Verfahren im Überblick. In: www.apotheken-umschau.de, abgerufen am 08.02.2016

[2] Sonnenmoser, Maria (2009): Schamgefühle prägen den Alltag. In: Deutsches Ärzteblatt, abgerufen am 08.02.2016

[3] www.psyonline.at, abgerufen am 08.02.2016

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