Sommer, Sonne, Müdigkeit – Morbus Crohn und ständig erschöpft

gähnende katze

Ich schlafe lange… wirklich lange. Und trotzdem fühle ich mich morgens wie vom Zug überrollt. Das war vor der CED ganz anders, denkt man da. Kennt ihr das?

Wenn neue Menschen in mein Leben treten, kennen sie mich nur als „zwar offiziell chronisch krank, aber eigentlich ja ganz normal.“ Da sie mich nicht „schwer krank“ kennengelernt haben, können sie oft nicht ganz nachvollziehen, warum Schlaf für mich einen so hohen Stellenwert hat.

„Warst du schon mal auf einem Festival? Echt? Kaum zu glauben, wie bist du denn da mit so wenig Schlaf ausgekommen?“

Früher konnte ich die ganze Nacht durchtanzen, mich morgens 3-4 Stunden schlafen legen und war mittags wieder putzmunter. Natürlich wird man älter und was mit Anfang 20 ein Kinderspiel war, geht man mit Anfang 30 schon ordentlich an die Substanz.

Aber mir geht es ja auch nicht darum jede Nacht zum Tag zu machen (auch wenn mein Energielevel am Abend durchaus am höchsten ist). Schön wäre einfach, wenn sich die chronische Erkrankung weniger auf meinen Schlaf auswirken würde. Durchschlafen kann ich sehr selten und ich beneide meinen Freund um seinen ruhigen, tiefen Schlaf.

Vom Bett zur Couch 

An schlechten Tagen klingelt mein Wecker eine knappe Stunde im Daueralarm, bis ich erschöpft den Weg vom Bett zur Couch schaffe, nur um dort wieder einzudösen. An grandiosen Tagen wache ich ein paar Minuten vor dem Wecker auf, was allerdings nicht besonders oft vorkommt.  Wenn man am Wochenende nach 11 Stunden Schlaf erst gegen Mittag beim Frühstückstisch sitzt, ernt man durchaus den ein oder anderen irritierten Blick.

Morgenstund hat Gold im Mund

Früher, und das heißt bevor der liebe Crohn in mein Leben trat, war das mein ganz normaler Morgen: von den Sonnenstrahlen geweckt werden und vor Freude aus dem Bett springen, weil man sich so frisch und erholt fühlt. Aber gut, wie gesagt, wird man ja auch etwas älter.

Und die Lebensfreude ist ja dank des Stomas auch wieder da, auch wenn sie jetzt erst ein paar Stunden später auf den Tagesplan tritt. In letzter Zeit kann ich mich eigentlich auch wirklich nicht beschweren: nach einem leckeren Frühstück mit einer Tasse doppelten Espresso bin ich bis zum Nachmittag fit und kann ganz normal meine Aufgaben erledigen.

Schlafterror 

frau liegt erschöpft auf der couch

Vor 5 Jahren, in meinen 20ern, entsprach mein Energielevel dem einer 80-Jährigen. So gesehen werde ich gerade von Jahr zu Jahr jünger.

Seit ein paar Tagen beginnt mein Tag sogar mit einer halben Stunde Yoga und das Ganze dann auch noch vor dem Frühstück. Vor ein paar Jahren war das nicht mal in meinen Gedanken möglich. Aufstehen konnte ich nur mit Schmerztabletten, gehen nur mit aller Kraft und in kleinen, bedachten Schritten.

Und Schlafen war damals größter Luxus – im 15-30 Minuten Takt wurde ich von Durchfällen geweckt. Extreme Müdigkeit bis zur mentalen Erschöpfung. Tag und Nacht verschwommen immer mehr zu einem einzigen Kampf gegen die Schmerzen.

Müdigkeit und Morbus Crohn

Genau diese Erinnerungen machen mich zu dem Menschen, der ich heute bin. An diesen schlechten, und doch vergleichsweise guten Tagen, versuche ich mir die Vergangenheit vor Augen zu halten und dankbar zu sein. Zum Glück bleibt das Leben nicht stehen und ich weiß jetzt, dass es nach jedem Tief auch wieder bergauf geht.

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