Steine im Bauch – Ein Buch das Tabus bricht

Buch - Steine im Bauch

Direkt und persönlich ist der CED-Erfahrungsbericht des Schweizer Fernseh- und Radiomoderators. Das Buch „Steine im Bauch. Mein Leben mit Colitis Ulcerosa“* von Robin Rehmann beginnt sehr ergreifend:

„Ich habe den Rauch stets ignoriert, und jetzt kann ich die Flamme nicht mehr kontrollieren. Die Entzündung im Dickdarm lässt mein Haus in Flammen stehen. Im Kampf gegen mich selbst! Autoimmunkrankheit. Oder wenn dein Körper dich selbst attackiert. Denn das einzige, das genügend Kraft hat, mir in den Arsch zu treten, bin ich selbst.“

Man geht verloren und findet sich wieder

Robin möchte mit seinem Buch* Betroffenen Mut machen. Und das schafft er, indem er ganz offen über die Tabuthemen von Colitis Ulcerosa schreibt. Er nennt es passend ein Buch über das „Verlorengehen, Sich-wieder-Finden und nach dem rechten Weg fragen“. 

Beim Lesen habe ich immer wieder Absätze entdeckt, mit denen ich mich sehr gut identifizieren konnte. Es fühlt sich an, wie wenn ein guter Freund dir ganz offen die schlimmsten Momente seines Leben erzählt und du jedes Gefühl miterlebst.

„Da sitze ich auf meinem Thron aus Keramik und werde von Krämpfen geschüttelt. Keiner hört mich, als ich vom Toilettenring langsam auf den Badezimmerboden gleite und die Kontrolle über meine Ausscheidungen verliere. Ich weine. Ich lasse alles zu.“

Ich schaffe das – egal wie

Blonde Frau läuft die Treppen nach untenIn einem Rückblick sehen wir ein exzessives Leben zwischen Musik, Party und Arbeit. Dann das nicht-wahrhaben-wollen, das wir wahrscheinlich alle so oder so ähnlich selbst erlebt haben. Man will einfach „normal“ sein und redet sich ein, dass es schon irgendwie gehen wird – und wird dann von der Krankheit in den Arsch getreten. Ja Robin, das kann ich sogar sehr gut nachvollziehen.

„Colitis Ulcerosa. Klingt wie der lateinische Begriff für eine hübsch blühende Rose, aber außen den Dornen haben die beiden wenig gemein.“ 

Auf der Reise durch „Steine im Bauch“* erlebt man ganz nah mit, wie sich eine CED tagtäglich anfühlt, welche gesellschaftlichen Tabus man durchbricht, wie viel Unverständnis man erlebt und wie man hin und her gerissen ist zwischen verschiedenen Therapiemöglichkeiten.

Psychotherapie? Ernährungsumstellung? Naturheilkunde oder Schulmedizin? Oder den Darm gleich ganz entfernen?

Immer wieder wird man im Laufe der chronischen Erkrankung mit Fragen und Entscheidungen konfrontiert. Man sieht das zum Beispiel sehr gut an den Interviews, die Robin geführt hat. Hier die Positionen auf den Kern runtergebrochen:

1) Dipl. Naturheilpraktiker Stefan Schaub:
Wir sind was wir essen. Basische Ernährung kann den Darm heilen.

2) Prof. Dr. Gerhard Rogler:
Die richtige Ernährung für CED gibt es nicht. Komplementärmedizin ja – Alternativmedizin nein.

Das Fazit:
„Wer hatte denn nun recht? Beide. Keiner. Wir, nicht die. Nein wir. Niemand. Wer also?“ Hoffentlich sehen wir zwischen den beiden Bereichen Natur- und Schulmedizin in Zukunft noch mehr Annäherung. Denn gerade diesen Zwiespalt zwischen den vermeintlich richtigen Entscheidungen beschreibt das Buch* sehr treffend.

Die vielen Wege, die man gehen kann

Im Laufe der Erkrankung stößt man auf viele verschiedene Wege, die man mit der Erkrankung gehen kann. Man probiert alles mögliche aus und verwirft es wieder. Man lernt, auf wen man sich wirklich verlassen kann. Man macht eine unglaubliche persönliche Entwicklung durch. Robin beschreibt die Wege, die er gegangen ist sehr persönlich und gibt damit eine wichtige Hilfestellung für uns alle.

„Denn eines ist klar: Scheiße passiert. Jeden Tag. Das können wir nicht kontrollieren. Aber wie wir damit umgehen, das können wir beeinflussen.“

 

 

 

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