Morbus Crohn Blog

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Die Macht der positiven Gedanken

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Positiver und negativer Stress

Grundsätzlich wird Stress in positiven ( Eustress ) und negativen ( Distress ) Stress unterteilt. Ob er als positiv oder negativ erlebt wird, hängt von unserer persönlichen Bewertung ab.

Ein Sprung vom 10 Meter Brett kann für einen Menschen mit Höhenangst ein enormer negativer Stressfaktor sein, während andere den Sprung als Nervenkitzel erleben. Menschen mit Höhenangst bewerten die Situation als gefährlich und unkontrollierbar, während andere den Sprung wahrscheinlich bestenfalls aufregend finden und ihr Körper Glückshormone ausschüttet.

 

Psychologische Erklärung

Stress wird in der Psychologie als körperliche Reaktion auf bedrohliche Ereignisse definiert. In den feinen Definitionsunterschieden sind sich die Forscher allerdings uneinig. Eine Theorie ist beispielsweise, dass Stress eher das Ausmaß darstellt, wie sehr man sich nach einem Lebensereignis verändern muss.

Wenn beispielsweise der Lebenspartner stirbt ist, ist das zum einem natürlich ein sehr großer emotionaler Verlust, zum anderen aber auch eine enorme Lebensumstellung. Das Abitur oder der Studienabschluss ist zwar ein sehr erfreuliches Ereignis, aber andererseits verändert sich auch sehr viel im Leben. Man muss möglicherweise umziehen und sieht sein soziales Umfeld nicht mehr so oft und muss damit rechnen nicht sofort einen Job zu finden.

Mehrere Studien ergeben, dass die körperliche und seelische Gesundheit stark vom persönlichen Stresserleben abhängt. Das bedeutet konkret, dass Menschen, die sich häufig gestresst fühlen, auch wahrscheinlicher schwer erkranken. Eigentlich ist dieses Ergebnis auch nicht unbedingt überraschend, denn bei Belastung steigt die Herzfrequenz, der Blutdruck und unser Körper schüttet Stresshormone aus.

Evolutionär bedingt war das durchaus sinnvoll, denn wir haben Stress empfunden, wenn wir uns auf einen Kampf vorbereiten mussten. Unsere Muskeln waren dann angespannt, unser gesamter Körper aktiviert und bereit zur Verteidigung. Langanhaltender Stress schwächt allerdings unser Immunsystem.

 

Was ist jedoch der Grund, warum manche Menschen Situationen als belastend empfinden und andere nicht?

“Früher habe ich immer gedacht, die Medizin wäre etwas, das von einzelnen Ärzten an einzelnen Patienten praktiziert wird. Der Arzt war der Allwissende und Allmächtige, der Patient hilflos. Aber es begann mir zu dämmern, dass es nichts Schlimmes ist, Heilung in einer Kombination aus verschiedenen Menschen und unterschiedlichen Quellen zu suchen und dass der Patient genauso wichtig ist wie der Arzt selbst…

Es war nicht eine einzelne Person, die die alleinige Verantwortung für meinen Gesundheitszustand übernehmen sollte, und was noch wichtiger war, ich begann auch mit Verantwortung dafür zu übernehmen” ( Louis Armstrong, 2000)

Psychologische Studien mit chronisch Kranken zeigen, dass Patienten, die ein gewisses Kontrollgefühl über ihre Krankheit empfinden, psychisch wesentlich besser mit ihrer Erkrankung zurechtkommen. Das Kontrollgefühl ist die Überzeugung, dass man selbst einen Einfluss auf seine Erkrankung nehmen kann, indem man sich beispielsweise über ergänzende Heilmethoden informiert und mit anderen Betroffenen austauscht.

Wenn man an Morbus Crohn erkrankt, wird einem oft die Kontrolle in vielen wichtigen Lebenssituationen genommen. Man richtet wahrscheinlich seinen Weg zur Arbeit an der Verfügbarkeit von öffentlichen Toiletten aus und verbringt oft auch entgegen dem eigenen Willen viel Zeit im Krankenhaus, in der man wieder der Kontrolle des Krankenhauspersonals unterworfen ist.

Eine sehr interessante und dramatische Untersuchung wurde bereits Ende der Siebziger Jahre in Pflegeheimen durchgeführt. Ältere Menschen, die bedingt durch familiäre und gesundheitliche Umstände, entgegen ihren eigenen Willen in ein Pflegeheim gebracht werden, spüren einen deutlichen Kontrollverlust. Es wurde daher ein Versuch unternommen, den Bewohnern des Pflegeheims wieder ein Stück weit Kontrolle über ihr Leben zurückzugeben. Aus diesem Grund wurden alle Personen über die positiven Veränderung im Heim ( ein 2 mal wöchentlich stattfindender Filmabend und die Verschönerung des Zimmers mit einer Topfpflanze ) informiert. Allerdings mit einem Unterschied:

  • Die eine Hälfte der Bewohner erhielt die Information, dass sie einen der beiden Filmabende von der Heimleitung zugeteilt werden und sich die Krankenpfleger um die Topfpflanze in ihrem Zimmer kümmern würde.
  • Die andere Hälfte der Bewohner wurde darüber informiert, dass sie sich einen der beiden Tage aussuchen konnten und selbst für die Pflege der Zimmerpflanze verantwortlich waren.

Nach 18 Monaten waren 30 Prozent der Heimbewohner, die keinen Einfluss hatten und 15 Prozent der Personen, die ein Stück weit Kontrolle über ihren Alltag erhielten, gestorben. In einer Befragung konnte man feststellen, dass die Bewohner, die Entscheidungsfreiheit hatten, sich insgesamt glücklicher fühlten und wieder aktiver wurden, was sich auch positiv auf ihre Gesundheit auswirkte.

 

Selbstwirksamkeit – Die Gewissheit, dass man es schaffen kann

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist die Selbstwirksamkeit. Das psychologische Modell der Selbstwirksamkeit ist mehr als das Gefühl von Kontrolle, es ist die Überzeugung, dass es einem wieder besser gehen wird. Studien aus der Grundlagenforschung zeigen beispielsweise, dass Menschen mit hoher Selbstwirksamkeit sich höhere Ziele setzen und auch dann nicht aufgeben, wenn es nicht gut aussieht.

Aus diesem Grund ist die Wahrscheinlichkeit auch höher, dass sie am Ende erfolgreich sind. In unserem Fall heißt das, dass Morbus Crohn Patienten, die fest daran glauben, dass es ihnen wieder besser gehen wird, dies mit umso höherer Wahrscheinlichkeit erreichen werden.

 

Fazit

Nicht nur der objektive Stress, sondern insbesondere unsere negative Bewertung, wirkt sich ungünstig auf unsere Gesundheit aus, indem Stresshorme ausgeschüttet und unser Immunsystem geschwächt wird. Meditationstechniken, autogenes Training oder progressive Muskelrelaxion kann das Stresserleben deutlich reduzieren.

Wissenschaftliche Studien belegen außerdem, dass eine innere Kontrollüberzeugung und hohe Selbstwirksamkeit einen deutlichen Einfluss auf den Verlauf unserer Krankheit haben. Wichtig ist es daher, sich selbst gut zu informieren und gewisse ärztliche Entscheidung auch einmal zu hinterfragen und sich gegebenenfalls eine Zweitmeinung einzuholen.

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