Entyvio – Fakten und Erfahrungen

Ausblick

Entyvio (Vedolizumab) ist seit Mai 2014 für die Behandlung von mittelschwerem bis schwerem Morbus Crohn bzw. Colitis Ulcerosa zugelassen. Im Gegensatz zu TNF-a-Blockern wie Remicade und Humira, die das komplette Immunsystem beeinflussen, wirkt Entyvio offensichtlich gezielt auf den Darm. Vedolizumab blockiert dabei ein Protein auf der Oberfläche der weißen Blutkörperchen und verringert so die Entzündungsaktivität [1] [2].

Nebenwirkungen

Daher ist auch die Wahrscheinlichkeit für Infektionskrankheiten wesentlich geringer als bei den klassischen TNF-a-Blockern. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind dabei vermehrt auftretende Erkältungen, Kopfschmerzen oder Gelenkschmerzen. [2]

Meine Gastroenterologin war eine der ersten Ärztinnen, die ihre Morbus Crohn Patienten im Rahmen einer mehrjährigen Studie mit Entyvio behandeln konnte. Ihrer Erfahrung nach war die häufigste Nebenwirkung ein etwas häufiger auftretender Schnupfen.

Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen sind meist bereits zuvor aufgetreten und konnten nicht unbedingt direkt der Entyvio Nebenwirkung zugeordnet werden. Allerdings war die Anzahl ihrer Studienteilnehmer recht gering und daher sollte diese Aussage nicht verallgemeinert werden. Außerdem gibt es selbstverständlich noch eine ausführliche Liste an weiteren, etwas seltener auftretenden Nebenwirkungen, die ihr hier nachlesen könnt.

Erfahrungen

Insgesamt hat sie mit Entyvio offensichtlich sehr positive Erfahrungen gemacht und auch einige ihrer schwersten Fälle, die davor auf keine Behandlung angesprochen hatten, befinden sich aktuell in Remission. Eine gute Freundin von mir ist nach einer langen Leidensgeschichte auch endlich so gut wie beschwerdefrei.

Ich hatte dabei allerdings nicht so großes Glück. Nach 12 Monaten Entyvio Therapie konnte ich leider keine wesentliche Verbesserung feststellen. Aus diesem Grund wurde das Medikament schließlich wieder abgesetzt. Im Gegensatz zu allen anderen Therapien habe ich unter den Entyvio Infusionen allerdings auch überhaupt keine Nebenwirkungen bemerkt.

Die Infusionen laufen außerdem sehr unkompliziert ab und dauern im Gegensatz zu den stundenlangen Remicade Infusionen nur etwa 30-60 Minuten und werden alle 4-8 Wochen wiederholt. Laut Herstellerangabe kann die Infusion in 30 Minuten durchgeführt werden, doch meiner Erfahrung nach lassen die meisten Ärzte die Infusionen trotzdem etwas langsamer laufen. Danach sollte ich immer noch eine halbe Stunde zur Beobachtung dableiben.

Problematik

Leider ist Entyvio bisher nur bei mittelschwerem bis schwerem Verlauf von Morbus Crohn bzw. Colitis Ulcerosa zugelassen, sofern die klassische Behandlung nicht vertragen wird oder nicht ausreichend wirkt. Das heißt zuerst sollte eine Behandlung mit TNF-a-Blockern erfolgen und erst wenn diese Medikamente nicht den gewünschten Erfolg erzielen, zahlt die Krankenkasse die Entyvio Therapie.

Wenn man allerdings bedenkt, dass die Nebenwirkungen offensichtlich geringer sind und Entyvio gleichzeitig wesentlich gezielter im Darm wirken kann, sollte diese Regelung wohl definitiv in Frage gestellt werden.

In einer erst kürzlich erschienen Studie konnte zudem gezeigt werden, dass die therapeutische Erfolgrate bei Patienten mit Colitis Ulcerosa signifikant höher ist, wenn sie direkt mit Entyvio behandelt werden. Demzufolge wird von den Ärzten empfohlen Entyvio möglichst vor einer TNF-a-Therapie einzusetzen. [3] Leider ist dies zum aktuellen Zeitpunkt nur unter den genannten Bedingungen möglich.

Was denkt ihr darüber?

[1] www.pharmazeutische-zeitung.de
[2] www.apotheken-umschau.de
[3] www.healio.com

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17 Kommentare

  1. Hallo,
    bei mir ist es dasselbe, ich nehme Entyvio (seit Juli 2016, wegen Pancolitis Ulcerosa) und habe keine Verbesserung, sondern wird sogar immer schlechter, obwohl meine Werte super sind (mit sehr geringen Entzündungswert). Dafür habe ich immer mehr Nebenwirkungen (Haarausfall und seit zwei Tagen juckt meine Haut wie verrückt).
    Was nimmst du heute?

    Liebe Grüße

    • Hallo Karin,

      danke, dass du deinen Erfahrungen zu Entyvio auf meinem Blog teilst. Es tut mir leid, dass die Therapie bei dir auch nicht die erhoffte Wirkung erzielt. Haarausfall und Hautjucken kenne ich nur zu gut, wenn auch nicht unter Entyvio Therapie, sondern vor allem bei Azathioprin. Seit meinem letzten Versuch mit Entyvio bekomme ich bei akuten Schüben einige Wochen lang eine Stoßtherapie Cortison, benötige aber seit der Stomaanlage zumindest keine Dauertherapie mehr. Gibt es bei dir noch Alternativen zu Entyvio?

      Ich wünsche dir alles Liebe!

      Bauchblubbern

  2. Hallo Bauchblubbern,
    ich hatte Haarausfall sonst nur nach einer 1-Jährigen Kortisonbehandlung, oder im Februar (wegen Vitamin-D-Mangel, ging dann aber schnell vorbei).
    Laut Arzt gibt es noch Alternativen, aber welche weiß ich nicht. Hab schon Mesagran (mein Dauer-Medikament), Immurek, Humira, Simponi und eben Entyvio durch. Ich hab echt keine Ahnung was die neuste Forschung ist.

    Alles Gute!
    Liebe Grüße

    • Hallo Karin,

      bei mir wäre noch Stelara im Gespräch, vielleicht wäre das auch noch eine Option für dich? Vielleicht kannst du ja unterstützend auch noch komplementärmedizinisch etwas tun?

      Ich wünsche dir jedenfalls ganz viel Kraft und hoffe, dass bald etwas gefunden wird, dass dir hilft!

      Ganz liebe Grüße

  3. Hallo,

    Stelara ist (laut Internet) nur für MC und nicht für CU. Wir versuchens nochmals mit Humira (das hat wenigstens kurz gewirkt). Hätte sonst nur Remicade als Wahl gehabt, was andres gibts (noch) nicht.
    Über Komplementärmedizin hab ich mich noch nicht erkundigt, bin mir nicht so sicher was ich davon halten soll. Aber ich werd mich mal informieren. Danke 🙂

    Liebe Grüße

  4. Bin auch seit 3 Monaten auf Entyvio therapie, allerdings erst in der Einschleichphase. Bislang null Wirkung, hat mein Internist aber vorab gesagt dass die wirkung einige Monate auf sich warten läßt.
    Falls es nicht wirkt gäbe es 2 andere neu darmspezifische Mittel.

    • Hallo Kurt,

      Ich freue mich über deinen Feedback zur Entyvio Therapie und drücke dir die Daumen,dass sie schnell anschlägt! Weißt du welche 2 Medikamente gemeint sind? Das klingt nämlich sehr spannend,aktuell kenne ich nur Stelara als Alternative zu Entyvio bzw Humira,Remicade & co.

      Ganz liebe Grüße
      bauchblubbern

      • Hallo Kurt!

        Ih habe das gleiche Problem, nach einem 3/4 Jahr wirkt Entyvio noch immer nicht! Wie heißen die zwei neuen Medikamente!?

        Gruß

        • Hallo Ralf,

          Tut mir leid, dass Entyvio bei dir auch nicht wirkt… eigentlich sollte man nach spätestens 3 Monaten eine Verbesserung merken 🙁 Ich habe auf deine Frage hin nochmal recherchiert und die einzigen neuen Medikamente, auf die ich gestoßen bin sind Stelara und Mongersen. Falls jemand im Rahmen einer neuen Studie mit einem anderen Medikament behandelt wird, das noch nicht zugelassen ist, würde ich mich sehr über Infos freuen. Hat dein Arzt dich schon über andere Therapiemöglichkeiten aufgeklärt? Ein 3/4 Jahr Leidensdruck ist ja eine sehr lange Zeit :/ Du könntest es zusätzlich noch mit Curcuma, Flokeimschalen, getrockneten Heidelbeeren und Weihrauchkapseln probieren.

          Ich hoffe, dass es bald bergauf geht und du eine Therapie für dich findest, die dir hilft!

          Liebe Grüße
          bauchblubbern

  5. Moin 🙂

    ich leide unter Colitis und nehme seit dem 01.08.18 Entyvio. Wann setzt die Wirkung an?

    • Hallo Noah,

      danke für deine Frage! Ab welchem Zeitpunkt es besser wird ist sehr unterschiedlich. Einige spüren schon nach der 1. oder 2. Infusion, dass es bergauf geht. Nach spätestens 3 Monaten sollte man eine Verbesserung merken, sonst wird dein Arzt wahrscheinlich ein anderes Medikament probieren. Bei MC kann es offensichtlich etwas länger dauern, als bei CU.

      Die Pharmazeutische Zeitung schreibt dazu: Bei Morbus Crohn Patienten sollte „ein Abbruch der Therapie erwogen werden, wenn bis Woche 10 keine Hinweise auf einen therapeutischen Nutzen zu beobachten sind. Patienten mit Morbus Crohn, die nicht angesprochen haben, profitieren dagegen möglicherweise von einer zusätzlichen Dosis Vedolizumab in Woche 10; bei ihnen sollte die Therapie bei Nichtansprechen erst in Woche 14 abgebrochen werden.“

      Ich drücke dir jedenfalls die Daumen, dass es bald wirkt 🙂

      Ganz liebe Grüße
      bauchblubbern

  6. Hallo zusammen
    Kurz meine Leidensgschichte zum besseren Verständnis. Seit Entfernung eines Abszesses am Darm anno 2004 chronischer Durchfall (bis 20x täglich, wässrig, schleimig, blutig. Inkontinent, da seit der Operation innerer und äusserer Schliessmuskel irreparabel. 2017 kam es einem jungen Arzt in Sinn, den Stuhl auf clostridien difficile zu untersuchen. Ergebnis positiv. Wohl seit 13 Jahren seit dem Spitalaufenthalt MRSA-Infektion eingefangen und nicht behandelt. Gesamte Palette 2017 mit Metronidazol, Vancomycin und Fidaxomicin durchgemacht. Costridien Toxin direkt und cd Bakterium (GDH) nicht mehr nachweisbar. Allgem. Wohlbefinden besser. Durchfall weniger aber immer noch.

    ENTYVIO mit kurz anhaltenden Nebenwirkungen, da nun morbus crohn vermutet.
    Nebenwirkungen treten erst am 3/4/5 Tag danach auf. ab 6tem Tag fühle ich mich sehr wohl und viel fiter. Durchfall wird weniger.
    1. Infusion: Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Grippesymptome.
    2. Infusion dito aber bedeutend schwächer.
    3. Infusion dito zusätzlich Atemnot.
    4. Infusion starke Nebenwirkungen 8 Tage, Grippesymptome mit Atemnot etc.

    Nun fühle ich mich das erste Mal nach der vierten Infusion allmählich besser. Keinen Durchfall mehr seit 3 Tagen. Bin zuversichtlich. Frage mich jedoch, weshalb diese Nebenwerkungen erst am 3/4/5 Tag eintreten und mit der vierten Infusion länger dauern?

    Im Übrigen frage ich mich und fragte meinen Arzternsthaft: „Ist es möglich, dass bei vielen diagnostizierten mc/uc Patienten möglicherweise clostridien difficile die Ursache sein könnten?“ JA, denn viele Ärzte denken nicht daran, cd zu testen. UNGLAUBLICH!
    In diesem Sinne wünsche ich allen gute Gesundheit und gesundes Hinterfragen, mit lieben Grüssen aus der Schweiz.

    • Hallo liebe Lis,

      vielen Dank, dass du deine Leidensgeschichte mit uns geteilt hast! Wirklich unverständlich warum nicht früher auf Clostridien getestet wurde, das sollte doch eigentlich eine Standarduntersuchung sein :/ Ich hatte auch immer wieder mit Clostridien zu kämpfen und hatte das Glück, dass meine Ärztin gleich richtig reagiert hat. Es tut mir wirklich leid, dass bei dir auch so viel schief gelaufen ist 🙁 Was meinen denn deine Ärzte zu den Nebenwirkungen und wann bekommst du die nächste Infusion? Ich bin jedenfalls froh, dass du jetzt zumindest seit ein paar Tagen beschwerdefrei bist und Entyvio wohl endlich wirkt! Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass die Nebenwirkungen bald nachlassen und es dir jetzt endlich besser geht.

      Liebe Grüße
      bauchblubbern

  7. Hallo,
    ich bekomme seit Herbst 2016 alle sechs Wochen Entyvio und es wirkt bei mir in Kombination mit Azathioprin (Kombitherapie seit Anfang 2017) sehr gut! Zum Ende der sechs Wochen merke ich immer dass es etwas schlechter wird und die Infusion wieder fällig ist. Nebenwirkungen habe ich durch die Medikamente bis auf etwas Müdigkeit keine.

    • Hallo Nadine,

      freut mich zu lesen, dass es dir mit der Kombitherapie so gut geht! 🙂 Bei mir war das auch mal im Gespräch, aber weil ich Azathioprin so schlecht vertragen habe (Haarausfall etc.), war ich etwas skeptisch und bin wieder auf die Cortison Stoß-Therapie umgestiegen. Dank Stoma bin ich also grundsätzlich beschwerdefrei und brauche nur ca. 1 mal im Jahr ein paar Wochen lang hoch dosiertes Cortison, das dann schnell ausgeschlichen wird. Die Müdigkeit kenne ich aber auch ganz gut… schön zu hören, dass du davon abgesehen keine Nebenwirkungen hast, das ist wirklich ein toller Erfolg! 🙂

      Alles Liebe
      bauchblubbern

    • Danke für deine Antwort. Wie erwähnt erhielt ich am 10. August die 4te Infusion. Litt total durch und ging am 28. August notfallmässig in Spital. Entwarnung, kein Herzinfarkt, keine Lungenentzündung. Alles soweit ok. Mein begnadeter Arzt ordnete sofort einen Aderlass ich zusätzlich eine genetisch bedingter Polyglobulie Habe. Schon während des Aderlasses (500ml Blutentnahme) ging es mir bedeutend besser. Fühle mich nun ziemlich beschwerdefrei und der Durchfall ist auch viel besser. Nächste Infusion am 28. September. Jedoch mit Kortisonzugabe. Bei jeder Infusion erhalte ich gleichzeitig Vitamin B12 iv. Bin sehr zuversichtlich und absolut glücklich, diesen jungen Arzt in der Klinik zu haben.
      Gruss LIS

  8. Hallo

    Ich habe bis jetzt Remsima bekommen und werde jetzt auf Entyvio umgestellt.
    Gibt es bestimmte Sachen die ich beachten muss? zB.: bei Ernährung oder auch bei Getränken?
    Ich habe CU erst seit ca. 1 Jahr diagnostiziert und mein Arzt sagt immer nur: „Iss was du verträgst!“
    Ich bin erst 27 Jahre alt und trinke bei einem Fußballspiel mit meinen Freunden gerne ein Bier..
    Ist ja nicht so das ich jeden Tag was alkoholisches trinken will..

    Gibt es da Erfahrungswerte?
    Und sind Nebenwirkungen häufig bei Entyvio?

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